Komplizierte Eingaben auf Webseiten verhindern,
dass Besucher ihr Wissen mit Seitenbetreibern
teilen
Frank Seidel, Januar 2006
Motivation zur Interaktion mit Webseiten ist
steigerbar
Aus Beobachtungen, die ich im Laufe
der letzten vier
Jahre in mehreren meiner Projekte
gesammelt habe,
läßt sich erkennen, dass
langwieriges
Ausfüllen, komplizierte Anmeldeprozesse
oder allzu
strenge Überpüfung der Eingabedaten
in
Kontaktformularen zu vergleichsweise geringen
Kontaktquoten
führen.
Meine
Einschätzungen beruhen auf Webseiten
verschiedener
Branchen mit verschiedenen Schwerpunktthemen,
deren
Kontaktquoten ich unter wechselnden Bedingungen
bezüglich a) der abgefragten Menge an Besucherdaten
und
b) der Einstellungen an den Validierungregeln
abgfragter
Besucherdaten beobachtet habe.
Es ist
dabei zu erkennen, dass die Quote der
erfolgreich
abgesendeten Formulare zur Kontaktaufnahme bzw.
zur
Informationsübermittlung um so höher ist
- je weniger Daten abgefragt werden
- je
weniger 'streng' die Daten geprüft werden
hinsichtlich ihrer Plausibilität
Die
Menge von mutwilligen Fehleingaben,
die die Systeme unter
diesen Bedingungen entgegen nehmen,
steigen dabei
unterproportional.
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Bild 1:
Minimalprinzip. Dieses Formular ist einfach
auszufüllen
und hat eine hohe Kontaktquote. Es
erfüllt seinen Zweck
gut.
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Bild 2: Es ist nicht
einfach, dieses Formular auf Anhieb korrekt
auszufüllen. Es hat eine geringe Kontaktquote.
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Mögliche
Gründe
Dass eine kleinere Menge von
abgefragten Daten in einem
Formular zu einer höheren
Kontaktquote führt,
läßt sich mit dem
geringeren Aufwand
erklären, den ein Besucher durch
das Ausfüllen
eines weniger umfangreichen
Web-Formulars hat. Die
Bereitschaft des Besuchers zum
Ausfüllen sinkt hingegen
mit zunehmendem Umfang der
abgefragten Daten.
Dass eine weniger genau
anmutende Validierung von
Formulardaten zu einer
höheren Kontaktquote führt,
läßt sich
ebenfalls mit einem geringeren Aufwand
erklären - hier
allerdings dem geringeren seelischen
Aufwand, der durch die
Bedienung des Systems entsteht.
"Wir
schätzen tolerante Systeme offensichtlich
mehr und wir
bedienen sie vielleicht deshalb lieber, weil
uns tolerante
Syteme weniger unfreundlich entgegen treten.
Sie verlangen
uns weniger ab, wenn sie uns keine
Fehlleistungen zum
Vorwurf machen. Sie legen uns im
Extremfall sogar gar
nichts zur Last, was wir
gefälligst zu korrigieren
haben, sondern fragen uns
lieber später nochmal...
aber warum erkennen andere
Systeme immer noch nicht, dass
es völlig belanglos ist,
welche Postleitzahl und
Faxnummer ich habe, wenn ich
lediglich einen toten Link
melden will." (aus einem
Gespräch, das ich mit
einem befreundeten
GUI-Spezialisten hatte)
Es
ist anzunehmen, dass Eingabeprozeduren bei
intoleranten
Validierungssystemen häufig vom Besucher
abgebrochen
werden und deshalb geringere Kontaktquoten zu
bobachten
sind. Der Benutzer sieht sich oft einem
frustrierenden
System gegenüber. Es fordert ihm einen
Preis ab, der
höher als der Wert des zu erwartenden
Kontakts mit dem
Seitenbetreiber ist.
Auswirkungen auf geplante
Marketing-Ziele
Bei der Beauftragung eines
Call-Center ist
Freundlichkeit der Call-Center-Agents und
ihre
Fähigkeit zu verbindlicher Kommunikation mit
Anrufern,
auch - und gerade - unter schwierigen Bedingungen
ein
erhebliches Entscheidungskriterium für oder gegen
einen
Dienstleister.
Jedes Unternehmen kann sich
unvoreingenommen selbst die
Frage stellen, ob die
Auswirkungen aktuell auf der Webseite
vorhandener
Eingabeprozeduren den eigenen Marketing-Zielen
in gewollter
Weise dienlich sind. Es sind durchaus
Fälle denkbar,
wo Hürden mit Absicht geschaffen
werden und auch
sinnvoll einsetzbar sind.
Der vordergründig
technische, mittlerweile
ergonomische Aspekt der
Formularvalidierung stellt sich
unter näherer
Betrachtung also auch als
ernstzunehmender Teil des
Marketing-Konzepts heraus, den es
zu berücksichtigen
gilt.
Möglichkeiten und technologische
Ansätze
Welche Möglichkeiten und
technolgischen
Ansätze sind in diesem Zusammenhang
geeignet, um einen
positiven Beitrag zum Erfolg einer
Webseite zu leisten?
- Formulare
abhängig vom Kontext
vorbereiten
Falls
die Webseite mehrere Seiten
mit ähnlicher Struktur und
ähnlichen Formularen
enthält (z.B. Katalog),
können Daten, die von der
aktuell aufgerufenen Seite
abhängig sind (spezielles
Produkt aus dem Katalg,
bestimmter Beitrag im CMS), aus
technischer Sicht oft
einfach und für den Nutzer ganz
automatisch in das
Formular vor-eingetragen werden.
- Formulardaten zwischenspeichern
(Caching, Session)
Falls die Webseite mehrere
Seiten mit ähnlichen Formularen enthält (z.B.
Katalog), werden kontextunabhängige Daten, die der
Nutzer schon auf einer anderen Seite innerhalb der Webseite
eingetragen hat, im Hintergrund gespeichert und jeweils
vorab und automatisch in das Formular der jeweiligen Seite
vor-eingetragen.
- Auf
Validierung verzichten
Auf die Validierung
von
PLZ, Telefonnummer läßt sich oftmals
verzichten.
Vielfach findet eine Bearbeitung bzw. ein
Nachfassen im
Unternehmen ohnehin durch einen Mensch statt,
der die Daten
vervollständigen kann. Das gilt für
alle
Seitenbetreiber, denen die Kontaktbereitschaft ihres
Besuchers selbst wertvoller ist, als die Zeit, die die
Vervollständigung und eventuelle Korrektur seiner
Daten
durchschnittlich in Anspruch nimmt und wo Leads
(Kontakte)
insofern hoch bewertet werden.
- Variable
Pflichtfelder
Falls das Formular mehrere
Kontaktwege (Telefon, E-Mail, WWW, Mobilfunk, Adresse)
anbietet, reicht es oft vollkommen aus, wenn der Besucher
lediglich einen dieser Kontaktwege angibt. Ein tolerantes
Validierungssystem erkennt selbständig, wenn es
zumindest eine Kontaktmöglichkeit 'verstanden hat'.
Gerade wenn eine Weiterbearbeitung der gewonnenen Daten
durch den Mensch gewollt ist (telefonisches Nachfassen,
genauso wie E-Mail oder Post), ist dies eine geeignete
Methode der Datenerhebung.
- Asynchrone
Validierung
Formulardaten können schon
bei der Eingabe überprüft werden, also vor dem
eigentlichen, aktiven Formularversand durch den Benutzer.
Dies ist einerseits mit JavaScript und
rein client-basiert möglich, oder es kann andererseits
mit neueren Technologien wie AJAX realisiert werden; es
können dann auch Daten zur Validierung herangezogen
werden, die nur auf dem Server zur Verfügung stehen
(z.B. gültige Postleitzahl/Strassen-Kombinationen).
Fehleingaben werden vom
Validierungssystem während (ggfls. erster falscher
Buchstabe/Zeichen) oder sofort nach Abschluß der
Eingabe (Wechseln des Eingabe-Feldes, Drücken von
Return) bemängelt.
Der sofortige
Hinweis 'im Kleinen' wirkt weniger enttäuschend
für den Benutzer als eine 'Annahme verweigert'
für
das gesamte Formular, wenn die Eingabe z.B. einer
falschen
PLZ meist schon vor 25 Sekunden gemacht worden
ist, und
trägt dazu bei, dass nachfolgende,
strukturverwandte
Eingaben von vornherein systemkonform
gemacht werden
können.
- Automatisches
Vervollständigen
Die Funktion
'Auto-Vervollständigen' ist von Desktop-Systemen
bereits vielfach bekannt. Begonnene Tastatur-Eingaben des
Benutzers werden dort vom Programm nach bestimmten
Kriterien
automatisch vervollständigt, z.B. zu oft
verwendeten
oder korrekt buchstabierten Worten.
Diese
Funktion ist mit einer relativ jungen
Technologie, AJAX,
auch für Webseiten realisierbar
geworden. Die Funktion
kann dazu beitragen, den Nutzer bei
der korrekten Eingabe
schon während des Tippens zu
unterstützen.
- Fehleingaben auf spätere
Wiedervorlage
Ein freundliches Eingabesystem
kann - ganz ähnlich wie ein höflicher Mensch
- seine Korrekturdisziplin auch bedingt durchsetzen
bzw. dem Nutzer abverlangen. Denkbar ist es z.B.,
Eingabefehler n mal (z.B. n=2) anzumahnen und danach
vorerst
auf eine Erfassung zu verzichten. Die
Eingabeprozedur
kann vom (intelligenten, toleranten) System
ja zu einem
späteren, geeigneten Zeitpunkt an dieser
Stelle
fortgesetzt oder nochmals aufgenommen werden.
Einfach
denkbar ist diese Vorgehensweise z.B.
für die
Registrierungsprozesse von Portalen: Der
Nachname des
Nutzers kann auch dann noch rechtzeitig
eingegeben worden
sein, wenn der Registrierungsvorgang
ansonsten bereits
komplett abgeschlossen ist, z.B. beim
zweiten Login.
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Autor des
Beitrags
Frank Seidel entwickelt Webapplikationen und Websites
für Unternehmen verschiedener Branchen und
Größen.
Sein Interesse gilt über die
technischen Fragestellungen hinaus dem langfristigen
wirtschaftlichen Erfolg von Internet-Projekten
und der
stetigen Weiterentwicklung ihrer zugrundeliegenden
Geschäftsmodelle.
Kontakt:
Frank Seidel, Köln,
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