
Frank Seidel, Juli 2006
Anbieter von Systemen zur Realisierung von Online-Umfragen bieten bei Google als Werbekunden auf die ersten Anzeigeplätze. An einem Tag im Juli 2006 konnte ich mehr als 25 Werbekunden für den Suchterm "online umfrage system" ausmachen.
Die Anbieterdichte deutet darauf hin, dass eine deutliche Nachfrage nach Informationen über die Einstellungen und dem Nachfrageverhalten von Internet-Nutzern existiert. Die Anwendungsgebiete sind dabei weitreichend.
Anbieter von Online-Umfrage-Systemen werben damit, dass Betreiber von Webseiten durch Erkenntnisse, die sie in Online-Umfragen gewinnen, die Bedürfnisse ihrer Seitenbesucher erkennen und ihre Online-Angebote daraufhin zuschneidern können.
Online-Umfragen sind aber nicht die einzige Möglichkeit, um zu diesem Zweck Einstellungen von Nutzern und die Nachfragesituation am Markt zu messen und einschätzen zu lernen.
In letzter Zeit konnte ich gute Erfahrungen damit machen, durch die Analyse von Suchabfragen aus Suchmaschinen Einschätzungen zu den Wünschen von Internet-Besuchern zu gewinnen. Ich konnte Einblick in einige Märkte und deren Nachfragesituation nehmen und erfolgversprechende Handlungspläne davon ableiten.
Bei der Planung neuer Projekte, für die mir ein technisch-produktives Konzept vorschwebt und die auf das Interesse eines breiten Publikums treffen sollen, prüfe ich deshalb heute vor der spezifischen Festlegung bzw. präzisen Abgrenzung des inhaltlichen Angebots, auf welche Inhalte sich Nachfragen von Nutzern tatsächlich konzentrieren. Schließlich entscheide ich mich für den Transport solcher Inhalte, die auch tatsächlich massenhaft nachgefragt werden, die inhaltlich zur Grundidee passen und mit meiner technisch-produktiven Leistung als Webentwickler sinnvoll transportiert werden können.
Danach gehe ich dann zur konkreten Projektplanung über und erstelle die technische Infrastruktur für den Transport der zu erwartenden nachgefragten Inhalte. Mit zusätzlichem Einsatz von Know-How zur Schaffung von Webseiten, die suchmaschinenfreundlich gestaltet sind, treffen die Angebote regelmäßig auf diejenigen Situationen im Netz, die im Groben zu erwarten sind.
Durch das Anfertigen von Analysen von Suchabfragen lassen sich die Einstellungen der Menschen nicht so fein auflösen und quantifizieren wie durch formal differenzierende Umfragen. Immerhin lässt sich aber aus den Fragen, die Menschen im Netz massenhaft stellen, einiges über ihre Einstellungen ableiten - eine Art "Reverse-Engineering" bzw. defizitorientiertes Denken beim Analysieren von Suchtermen kann dabei hilfreich sein.
Wenngleich diese Form der Marktforschung nicht als wissenschaftlich repräsentativ geeignet ist, so stellt sie für ein Unternehmen eine effiziente Art dar, um Wünsche und Bedarfe seiner potentiellen Kunden einzuschätzen.
Vor einiger Zeit habe ich eine Recherche für ein Handwerksunternehmen durchgeführt, das Dienstleistung und Produkte anbietet. Im Rahmen dieser Recherche habe ich eine Aufstellung von Produkten angefertigt, die für das Geschäft des Betriebes Relevanz haben und als Suchabfragen bei einer großen Suchmaschine gestellt wurden. Die Mitarbeiter des Unternehmens wollten sich einen Überblick zur Nachfragesituation im Netz verschaffen.
Die Ergebnisse, die die Studie zutage gefördert hatte, waren nicht das, was von den Fachleuten aufgrund der Situation im Kundenkreis und des Umfeldes erwartet worden war: Sie waren überrascht zu sehen, dass diejenigen Produkte, die sie in der 'Wunschliste' der Nutzer ganz oben erwartet hätten, tatsächlich eher im unteren Bereich der gestellten Nachfragen angesiedelt waren. Dem Massenpublikum im Internet entspricht also ggfls. eine andere Nachfragestruktur als die im Kundenstamm oder direkten Umfeld eines Unternehmens.
Falls ein Unternehmen massenhafte Kommunikation über das Internet nach draußen hin anstrebt, so sollte die von ihm angebotene Information im Internet die tatsächlich gestellte Nachfrage beantworten können. Das heißt nicht, dass ein Unternehmen, wenn es über den geeigneten missionarischen Eifer verfügt, nicht auch darüber hinaus gehende Inhalte transportieren soll.
Wer über Informationen verfügt, die zur Nachfrage passen, stellt sich nicht nur im Online-Geschäft sehr genau auf seine Zielgruppe ein, sondern kann auch auf allen übrigen Kanälen effektiv damit funken und mit interessierten Kommunikationspartnern rechnen.
